Treppen statt Aufzug — und wie du wirklich dranbleibst

Autorin: Lena Bachmann Datum: 18. April 2026 Lesezeit: ca. 6 Min. Rubrik: Flexibilität
3Stockwerke pro Anlauf
21Tage bis Gewohnheit
2026Jahr der Umstellung

Im Jänner 2026 wohnte ich vorübergehend im fünften Stock eines Wiener Altbaus ohne Aufzug. Aus Notwendigkeit wurde eine Gewohnheit, die ich nach dem Umzug bewusst weitergeführt habe. Dieser Beitrag erzählt nicht „warum Treppen besser sind“, sondern wie ich diesen Wechsel mit Geduld in mein Leben eingebaut habe — und welche Fehler ich gemacht habe, bevor es realistisch wurde.

In meiner Erfahrung ist die Umstellung weniger eine Frage von Willenskraft als von Logistik. Wenn der Aufzug schneller, näher und bequemer wirkt, gewinnt er. Die Aufgabe besteht darin, den Pfad zur Treppe selbst leichter zu machen — nicht den eigenen Charakter zu „stärken“.

Phase 1: Realistisch beginnen

Ich habe nicht versucht, sofort fünf Stockwerke zu Fuß zu nehmen. Mein Anfang waren drei Stockwerke. Ab Stockwerk vier nahm ich den Aufzug. Diese Regel klingt banal, aber sie verhinderte das alte Muster, bei dem ich nach drei Tagen aufgab, weil mir der Atem fehlte. WHO-Empfehlungen zur sanften Bewegung im Alltag stützen genau diesen Ansatz — kleine, wiederkehrbare Schritte statt großer Sprünge.

Phase 2: Tempo herausnehmen

Ein Fehler, den ich anfangs machte: ich nahm die Treppen zu schnell. Ergebnis — außer Atem im Treppenhaus, Bedauern, beim nächsten Mal wieder Aufzug. Der zweite Anlauf gelang erst, als ich ein ruhiges, gleichmäßiges Tempo wählte. Treppensteigen ist nicht dazu da, sportlich auszusehen. Es ist dazu da, dass dein Alltag automatisch ein paar mehr Bewegungseinheiten enthält.

Ruhe-Test

Wenn du oben angekommen sprechen kannst, ohne nach Luft zu schnappen, ist dein Tempo gut. Wenn nicht — zwei Stockwerke weniger, oder langsamer.

Phase 3: Den Pfad zur Treppe leichter machen

Helles modernes Treppenhaus mit Tageslicht durch ein hohes Fenster
Abb. 02 — Ein einladendes Treppenhaus senkt die Schwelle

Ich beobachte oft, dass die Treppe in vielen Gebäuden absichtlich unscheinbar wirkt. Versteckt hinter Türen, schlecht beleuchtet, manchmal sogar mit „Notausgang“-Schildern markiert. In meiner alten Wohnung war die Treppe direkt neben dem Aufzug, in der neuen lag sie um die Ecke. Bei Letzterem brauchte ich länger zur Umstellung — die Logistik ist entscheidend.

„Gewohnheiten entstehen nicht durch Disziplin, sondern durch Wege, die kürzer sind.“ — Aus dem Notizheft, Februar 2026

Phase 4: Verbinde es mit etwas Bestehendem

Mein Trick: ich hörte beim Treppensteigen eine bestimmte Podcast-Episode, die ich nirgendwo anders hörte. So wurde der Aufstieg zu einem kleinen Mikro-Ritual. Forschende der Harvard Business Review beschreiben das Prinzip „habit stacking“ — eine neue Gewohnheit an eine bestehende koppeln, statt sie isoliert aufzubauen.

Phase 5: Was an schlechten Tagen zählt

Es gibt Tage, an denen ich müde nach Hause komme und der Aufzug die richtige Wahl ist. Anfangs hat mich das frustriert, später akzeptierte ich es als Teil der Gewohnheit. Eine Routine, die nur an guten Tagen funktioniert, ist keine Routine. Was zählt, ist der Mittelwert über zwei Wochen, nicht die Bilanz eines einzelnen Tages.

Was sich verändert hat

  • Die ersten zwei Stockwerke fühlen sich nicht mehr anstrengend an.
  • Ich gehe in fremden Gebäuden automatisch zu Treppen, auch wenn ein Aufzug sichtbar ist.
  • Mein Atem auf der Straße im Anstieg wirkt ruhiger.
  • Ich habe mehr Energie am späten Vormittag — wahrscheinlich Zufall, vielleicht nicht.

Wenn dir das Treppenhaus unsympathisch ist

Nicht jedes Treppenhaus ist einladend. Bei einem Bürogebäude in Wien habe ich erst nach Wochen einen Treppenabsatz mit Tageslicht entdeckt, und ab da war alles einfacher. Wenn dein Treppenhaus eng, dunkel oder laut ist, lohnt es sich, eine andere Treppe zu suchen — oder das Ziel zu verkleinern. Eine Etage zu Fuß ist besser als keine.

Wie ich mit Rückschlägen umgehe

Es gab eine Woche im Februar, in der ich aus reiner Eile jeden Tag den Aufzug nahm. Früher hätte mich das aus der Bahn geworfen. Diesmal habe ich am ersten Tag der folgenden Woche wieder bei einem Stockwerk begonnen und nicht versucht, die Lücke aufzuholen. Eine Gewohnheit ist robust, wenn sie Rückschritte verkraftet, ohne sich selbst zu beenden. Wer jeden Aussetzer als Beweis sieht, dass die ganze Idee „bei mir nicht funktioniert“, hört früher oder später auf. Wer ihn als normalen Teil annimmt, bleibt langfristig dabei.

Was ich anderen empfehlen würde

Wenn mich Bekannte fragen, womit sie anfangen sollen, lautet meine Antwort meistens: ein Stockwerk pro Tag. Mehr nicht. Diese Schwelle ist so niedrig, dass es keinen ehrlichen Grund gibt, sie nicht zu schaffen. Innerhalb von zwei Wochen wächst sie meist von selbst, ohne dass jemand bewusst beschließt, mehr zu machen. Diese Art von Selbstläufer ist in meiner Erfahrung der ehrlichste Weg, ein neues Verhalten zu etablieren — viel ehrlicher als laute Vorsätze zu Jahresbeginn.

FAQ

Wie viele Stockwerke pro Tag sind realistisch?
Erfahrungsgemäß sind 6–10 Stockwerke täglich für viele Menschen gut machbar, wenn man im Alltag mehrfach Treppen begegnet.
Was, wenn ich Gepäck oder Einkäufe trage?
Dann nimm den Aufzug. Mit zusätzlichem Gewicht ändert sich die Belastung deutlich — die Gewohnheit greift an Tagen ohne Gepäck.
Ist Treppensteigen morgens oder abends besser?
Beides funktioniert. In meiner Erfahrung wirkt es morgens belebender, abends entspannender — abhängig vom Tempo.
Soll ich Stockwerke zählen?
Anfangs ja, später nein. Zählen hilft bei der Etablierung, später wird es zur Selbstkontrolle, die der Lockerheit der Gewohnheit eher schadet.

Quellen und Hinweise

  • WHO — Empfehlungen zu Bewegung im Alltag außerhalb von Trainingseinheiten.
  • Harvard Business Review — Beobachtungen zum Prinzip „habit stacking“.
  • Persönliche Notizen, Jänner–April 2026.
LB
Lena Bachmann
Wellness-Enthusiastin aus Wien, schreibt seit acht Jahren über alltägliche Bewegung und persönliche Routinen. Keine medizinische Ausbildung.

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